Ruth Gilberger
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Es scheint, als haben sich genau an diesem Stein verschiedene Erfahrungsstränge überkreuzt und hier in diesem Ding, das auch eine Rampe, ein Schuh oder ein Schiff sein könnte, zu ihrer so uneindeutigen wie zwingenden Form gefunden.

Wer die früheren Skulpturen von Gilberger kennt, bemerkt sofort den Quantensprung von der einstigen Geschlossenheit und Glätte zu einer „lapidaren“ Offenheit. Es wird hier eine Zurückhaltung in der Bearbeitung von Oberfläche, Farbe, Form gewagt, die bisher nicht möglich schien. An die Stelle des Artifiziellen tritt die archaisch-rauhe Anmutung. Gilberger hat in den letzten Jahren intensiv mit Menschen zusammengerabeitet, für die sie sozusagen maßgeschneiderte Skulpturen hergestellt hat. Diese Arbeiten waren auf eine bestimmte Person, deren Persönlichkeit, Beruf, Wohnung, Eigenart bezogen. Offenbar hat sie mit diesem „Stein“ eine Skulptur geschaffen, mit der sie zu einer ursprünglicheren Idee von Skulptur zurückgekehrt ist, die sich durch die kulturelle Überformung hindurch behaupten kann.

Schichtungen als Metapher kultureller Überformung werden bei Ruth Gilberger durch vertraute Materialien präsentiert. Hier sind es Lagen von Abdeckpapier, das von Malern und auch von Künstlern zum Schutz vor Spritzern und Dreck verwendet wird. Bei früheren Arbeiten hat sie eine Vorliebe für Tapete entwickelt, dem Inbegriff von Häuslichkeit und anheimelnder Dekoration, unter deren glatt gespannter Oberfläche das Unansehnliche, Unangenehme verborgen bleibt.