Aus der eigenen Lebenserfahrung bildet sich in der künstlerischen Umformung eine Struktur, die exemplarisch eine Definiton von der Durchdringung von innen und außen, von Persönlichem und Äußerlichem anbietet.
Der Titel der Ausstellung „see“ mit seiner Doppeldeutigkeit – englisch gesprochen für „sehen“ und deutsch für „die See, das Meer“, bringt diese Bewegung von der eigenen Person weg zum Anderen, Fremden, Neuen (als Voraussetzung für die persönliche Entwicklung) zum Ausdruck...
Ruth Gilberger hat sich in ihrer großen Bodenarbeit sehr konkret mit einer bestimmten landschaftlichen Situation beschäftigt. Sie hat einen großen Stein, eine Art Findling, der ihr durch seine Gestalt und vor allem auch durch seine herausragende Erscheinung in der Landschaft aufgefallen ist, abgeformt. Dennoch handelt es sich bei dem Objekt, das daraus entstanden ist, nicht um eine simple Kopie eines bereits existierenden Gegenstandes. Die durch die Abformung enstandene Hülle hat verschiedene Metamorphosen durchlaufen. Zunächst ging diese Hülle auf Reisen, wurde aus der Landschaft herausgenommen und in einen anderen Kontext gestellt, gelangte schließlich in Gilbergers Atelier, in dem sie mit den früheren Arbeiten konfrontiert wurde. Sie wurde bearbeitet, mit Schichten aus Maler-Abdeckpapier beklebt, geschliffen, die Form wurde immer wieder verändert. Das Ergebnis ist eine Überformung von Natur durch die persönliche Erfahrung der Künstlerin mit der Landschaft, in der sie auf den Stein gestoßen ist und durch ihre lange Erfahrung mit Skulptur.