„see“ - Ruth Gilberger und Georg Gartz in der Kyoto Bar, Köln
20.04. – 25.05.07
Eröffnungsrede von: Sabine Müller (gekürzte Fassung)
Die Ausstellungseröffnung heute Abend ist nur eine von vielen im Kunstmarathon dieser Tage.
Doch gerade im Vergleich zeigt sich ihre besondere Stärke: Die Kyoto Bar ist ein Ort, der den Kunstwerken nicht nur Hänge- und Stellfläche bietet, sondern ihrer Sensibilität für räumliche, plastische und farbige Qualitäten auf gleichem Niveau begegnet. Dadurch tritt so etwas wie eine gegenseitige Steigerung formaler Wirkungen ein. Für die Wahrnehmung des Betrachters hat dies weitreichende Konsequenzen.
Sie wissen, die Geschichte der Kunst ist auch eine Geschichte der Ausstellungspraktiken. Sicher haben Sie die Guggenheim Collection in Bonn gesehen und vielleicht erinnern Sie sich an die dort dokumentierte Inszenierung der frühen Kandinsky-Ausstellungen im New Yorker „Museum of Non-Objectiv Painting“ in plüschigem Ambiente mit Musik-Berieselung. Damit versuchte man Ende der vierziger Jahre, eine bestimmte geistige Atmosphäre zu schaffen, die den Betrachter in die „richtige“, kontemplative Haltung versetzen sollte. Mit dem „White Cube“, der sich später allmählich durchgesetzt hat und bis heute Standard geblieben ist, hat man den genau entgegengesetzen Weg eingeschlagen. Man hat alle nicht-künstlerischen Elemente entfernt, damit nichts von der Kunst ablenkt oder deren Betrachtung zu sehr manipuliert.