Mit der emotionalen und expressiven Unmittelbarkeit der Zeichnungen korrespondiert die spielerisch konstruierte Leichtigkeit der plastischen Wandarbeiten. Durch die experimentelle Formung des leichten Materials entstehen in sich geschlossene und konzentrierte Gebilde, die Raum be- und umschreiben. Sie sind fragil und verletzbar, präzise definiert einerseits und unfassbar andererseits. Der Dialog mit Ornamentformen führt in die Dreidimensionalität.
Die Überlagerung von Linien und Mustern formuliert sowohl in Zeichnung wie Objekt mehrdeutige Räume - ein dualistisches, gegenseitig sich ergänzendes Prinzip.
Beide Medien korrespondieren im Sinne einer Annäherung und Berührung. Die flüchtige Begegnung von Zeichnung und Plastik ist der Spielraum innerhalb dessen sich Ruth Gilbergers Recherchen und Reflexionen bewegen.
Wie eine biomorphe Komposition veranschaulichen die Plastiken „Jutanan 1+2“ das Wesentliche ursprünglicher Gestaltformen. Geschlossene Volumen mit gerundeten und glatten Oberflächen, die sich bauchen und einstülpen kommen kreisend zur Ruhe. Ihr Aufbau besteht aus zahllosen Schichten von gemusterten Tapeten, die während des Werkprozesses fixiert und immer wieder glatt geschliffen werden. Die figürlich-dekorativen Muster schwinden und werden reduziert zu amorphen Farbspuren, die mit der festen und kompakten abstrakten Form eins werden.